Social Media Audit: Checkliste, Vorlage und Ablauf in 8 Schritten

Social Media Audit: Checkliste, Vorlage und Ablauf in 8 Schritten

Zuletzt aktualisiert: 21.10.2026


TLDR

Ein Social Media Audit ist eine systematische Bestandsaufnahme aller Social-Media-Kanäle eines Unternehmens. Du prüfst Profile, Kennzahlen, Inhalte, Community und Prozesse gegen deine Ziele. Am Ende steht keine Datensammlung, sondern eine priorisierte Liste von Maßnahmen.

  • Der Ablauf umfasst acht Schritte, von den Zielen über das Kanalinventar bis zur Roadmap.
  • Die Checkliste umfasst neun Bereiche, vom Kanalinventar über Kennzahlen und Content bis zu Paid Social.
  • Seit Meta im November 2024 „Views“ als Hauptkennzahl auf Facebook angekündigt hat, sind alte Impressionswerte nur eingeschränkt vergleichbar.
  • Jeder Befund endet als Maßnahme mit Aufwand, Verantwortlichen und Termin.
  • Bei Mediatouch mündet das Audit in ein Zielbild pro Kanal, eine Themenlandkarte und eine 90-Tage-Roadmap.

Ein Social Media Audit ist eine strukturierte Prüfung aller Social-Media-Aktivitäten eines Unternehmens, die Profile, Kennzahlen, Inhalte und Abläufe mit den Unternehmenszielen abgleicht. Das Ergebnis zeigt dir, welche Kanäle wirken und wo Aufwand ohne messbaren Ertrag versickert. Dieser Leitfaden führt dich in acht Schritten durch ein umfassendes Social Media Audit. Du bekommst eine Checkliste als Tabelle und eine Vorlage für dein Tabellenblatt. Dazu siehst du, wie aus Befunden eine Roadmap wird. Außerdem erfährst du, warum Vorjahreszahlen seit den neuen Meta-Kennzahlen oft nicht mehr vergleichbar sind. Alle Plattformangaben haben den Stand Oktober 2026.


Was ist ein Social Media Audit und wie unterscheidet es sich vom Reporting?

Ein Social Media Audit prüft in einem festen Zeitraum die gesamte Präsenz deines Unternehmens auf sozialen Plattformen, ein Reporting misst laufend die Entwicklung einzelner Kennzahlen. Das Audit stellt grundsätzliche Fragen: Passen Kanäle und Themen noch zu den Zielen, und tragen die Abläufe im Alltag? Das Reporting zeigt, ob die laufende Arbeit auf Kurs ist.

Der Begriff Social Media Marketing Audit meint in der Praxis dasselbe, schließt aber häufig bezahlte Kampagnen und die Website ein. Social Listening ist die Auswertung öffentlicher Gespräche über deine Marke, deinen Wettbewerb und deine Themen. Ein Audit nutzt Listening und Reporting als Datenquellen und leitet daraus Entscheidungen ab. Es ist der Startpunkt jeder Strategie, wie sie unser Leitfaden zum Social Media Marketing beschreibt.


MerkmalSocial Media AuditReportingSocial Listening
LeitfragePassen Kanäle, Inhalte und Prozesse zu den Zielen?Wie entwickeln sich die vereinbarten Kennzahlen?Worüber sprechen Menschen im Umfeld von Marke und Branche?
RhythmusJährlich und bei Anlässen, dazu kurze ChecksMonatlich oder wöchentlichLaufend
BlickwinkelGesamte Präsenz inklusive Prozesse und WettbewerbEigene Kanäle und KampagnenÖffentliche Gespräche auf vielen Plattformen
ErgebnisPriorisierte Maßnahmen und RoadmapDashboard mit KommentierungThemen, Stimmungen und Frühwarnsignale

Wann solltest du ein Social Media Audit durchführen?

Aus unserer Projektpraxis empfehlen wir ein umfassendes Social Media Audit einmal im Jahr, idealerweise vor der Budgetplanung, und einen kurzen Check pro Quartal. Der Quartals-Check prüft nur Kennzahlen, offene Community-Anfragen und den Status der Maßnahmen aus dem letzten Audit. Unabhängig vom Rhythmus lohnt sich ein Audit bei diesen Anlässen:

  • neue Unternehmensziele, neue Märkte oder eine neue Produktlinie
  • Wechsel der Agentur oder der Verantwortlichen im Social Team
  • Rebranding, Fusion oder Umbenennung
  • geänderte Kennzahlen oder Funktionen einer Plattform
  • sinkende Reichweite oder Resonanz über mehrere Monate
  • Start eines Corporate-Influencer- oder Employer-Branding-Programms

Wie machst du ein Social Media Audit in 8 Schritten?

Du machst ein Social Media Audit, indem du zuerst Ziele und Prüfzeitraum festlegst und dann jeden Kanal nach denselben Kriterien bewertest. Am Ende verdichtest du die Befunde zu Maßnahmen mit klarer Priorität. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: Wer ohne Ziele in die Zahlen einsteigt, bewertet Kennzahlen ohne Maßstab.

  1. Ziele und Prüfzeitraum festlegen
  2. Kanalinventar anlegen und Zugänge sichern
  3. Profile und Markenauftritt prüfen
  4. Kennzahlen und Zielgruppen auswerten
  5. Content-Audit durchführen
  6. Community Management und Prozesse bewerten
  7. Wettbewerb und Benchmarks einordnen
  8. Maßnahmen priorisieren und Roadmap ableiten

Bezahlte Kampagnen prüfst du als eigenes Modul, wenn du Anzeigen auf sozialen Plattformen schaltest. Plane für das Audit eine verantwortliche Person, die Daten sammelt und auswertet, und eine zweite Person, die die Befunde gegenliest. Das verhindert, dass eigene Lieblingsformate zu gut wegkommen.


Welche Punkte gehören in die Social Media Audit Checkliste?

In eine vollständige Social Media Audit Checkliste gehören neun Bereiche: Ziele, Kanalinventar, Profile, Kennzahlen, Content, Community, Prozesse, Wettbewerb und bezahlte Kampagnen. Die Tabelle zeigt pro Bereich die wichtigsten Prüfpunkte und die passende Datenquelle. Du kannst sie direkt als Gerüst für dein Tabellenblatt übernehmen und um eigene Kriterien ergänzen.


BereichWas du prüfstDatenquelle
ZieleHauptziel und Zielgruppe je Kanal, messbare ZielwerteStrategiepapier, Gespräche mit Vertrieb, HR und Service
KanalinventarAlle Profile inklusive inaktiver Konten, Verantwortliche, Admin-Rechte, Zwei-Faktor-AuthentifizierungBusiness-Konten der Plattformen, Passwortmanager
ProfileName, Bio, Suchbegriffe, Links, Impressum, Profil- und Titelbild, KontaktoptionenProfilansicht auf Smartphone und Desktop
KennzahlenReichweite, Views, Interaktionen, Klicks, Follower-Entwicklung, Conversions je ZielNative Analysen, Google Analytics 4, CRM
ContentThemen, Formate, Serien, Frequenz, stärkste und schwächste Beiträge, BarrierefreiheitBeitragsexport, Content-Tabelle
CommunityReaktionszeiten, offene Kommentare und Nachrichten, Tonalität, EskalationswegePosteingang, Community-Management-Tool
ProzesseRedaktionsplan, Freigaben, Guidelines, KI-Einsatz, Tools und VertretungenGespräche mit dem Team, Tool-Übersicht
WettbewerbThemen, Formate, Frequenz und Resonanz von drei bis fünf VergleichsprofilenÖffentliche Profile, LinkedIn-Wettbewerbsanalyse
Paid SocialKampagnenziele, Tracking, Zielgruppen, Creatives, BudgetverteilungWerbekonten der Plattformen

Wie legst du Ziele und Prüfzeitraum fest?

Lege vor der ersten Auswertung fest, welches Geschäftsziel jeder Kanal unterstützt und welchen Zeitraum du prüfst. Typische Hauptziele sind Bekanntheit, Leads, Recruiting oder Service. Ein Kanal kann mehrere Ziele bedienen, braucht aber ein Hauptziel, an dem du ihn misst. Ohne diese Festlegung wirkt ein Recruiting-Kanal mit wenigen Link-Klicks schwach, obwohl er passende Bewerbungen bringt.

Für ein umfassendes Audit eignen sich die letzten zwölf Monate mit Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Vorjahresvergleich gleicht saisonale Effekte wie Messen oder Ferienzeiten aus. Native Analysen zeigen je nach Plattform und Ansicht nur begrenzte Zeiträume an. Exportiere die Daten deshalb zu Beginn vollständig und notiere Exportdatum und Quelle im Tabellenblatt. Hol auch Vertrieb, HR und Kundenservice an den Tisch: Diese Teams wissen, welche Anfragen tatsächlich über Social Media kommen.


Wie erstellst du das Kanalinventar und sicherst die Zugänge?

Ein Kanalinventar ist eine vollständige Liste aller Social-Media-Profile, die im Namen deines Unternehmens existieren, mit Verantwortlichen und Zugängen. Suche gezielt nach vergessenen Konten wie alten Recruiting-Seiten, Länderprofilen, Event-Accounts oder Profilen abgeschlossener Projekte. Solche Konten tragen deinen Namen, aber niemand betreut sie.

Halte pro Profil Plattform, URL, Nutzername, Ziel, Sprache, Verantwortliche, Admins, letzten Beitrag und Status fest. Im nächsten Schritt prüfst du die Zugänge. Wer hat Admin-Rechte, und arbeiten noch ehemalige Mitarbeitende oder frühere Agenturen mit? Läuft das Konto über ein Unternehmenskonto statt über ein privates Profil, und ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle Admins aktiv?

Ein Prüfpunkt mit rechtlichem Bezug ist die Anbieterkennzeichnung. § 5 Digitale-Dienste-Gesetz verlangt für geschäftsmäßige digitale Dienste Informationen, die „leicht erkennbar und unmittelbar erreichbar“ sein müssen. Prüfe für jedes Unternehmensprofil, ob ein Link zum Impressum gut sichtbar hinterlegt ist, etwa in der Bio oder in den Seiteninfos.


Welche Kanäle gehören ins Social Media Audit?

Ins Audit gehören alle Kanäle, auf denen dein Unternehmen ein Profil hat, und die Kanäle, auf denen deine Zielgruppe aktiv ist, du aber fehlst. Die zweite Gruppe zeigt, wo Chancen liegen oder wo Wettbewerber bereits Gespräche führen.

Zur Einordnung hilft der Bericht Digital 2026 Germany von DataReportal. Er weist für Oktober 2025 in Deutschland 64,7 Millionen Social-Media-Nutzeridentitäten aus, das entspricht 77,1 Prozent der Bevölkerung. Für Instagram nennt der Bericht eine Werbereichweite von 31,3 Millionen, für LinkedIn 24,0 Millionen Mitglieder in Deutschland. Nutzeridentitäten sind nicht gleich Personen, und Werbereichweite ist nicht gleich aktive Nutzung. Für deine Prioritäten zählt, wo deine konkrete Zielgruppe Entscheidungen vorbereitet.

Für B2B-Unternehmen im Mittelstand sind aus unserer Projektpraxis meist LinkedIn und Instagram die Kernkanäle, oft ergänzt um YouTube für erklärende Videos. Neue Plattformen bewertest du im Audit mit einer einfachen Frage: Ist deine Zielgruppe dort, und kannst du den Kanal mit vorhandenen Ressourcen dauerhaft bespielen?


Wie prüfst du Profile, Bio und Markenauftritt?

Prüfe jedes Profil so, wie eine neue Person aus deiner Zielgruppe es sieht: auf dem Smartphone und ohne Vorwissen. Nach wenigen Sekunden muss klar sein, was dein Unternehmen anbietet und was der nächste Schritt ist. Dieser Teil heißt in manchen Leitfäden Profil-Audit oder Brand Audit, weil er den Markenauftritt über alle Kanäle hinweg vergleicht.

Name, Nutzername und Bio entscheiden mit darüber, ob Menschen dich in der Plattformsuche finden. Instagram-Chef Adam Mosseri hat die Suche 2021 im offiziellen Instagram-Blog erklärt: „The text you enter in the search bar is by far the most important signal for Search“. Instagram gleicht diesen Suchtext laut Beitrag mit Nutzernamen, Bios, Bildunterschriften, Hashtags und Orten ab. Ein Profil ohne die Begriffe, nach denen deine Zielgruppe sucht, verschenkt Auffindbarkeit. Ergänze die Prüfung um diese Punkte pro Kanal:

  • Profil- und Titelbild in aktueller Bildsprache und scharfer Auflösung
  • Link in Bio oder Seiteninfos führt auf eine passende, aktuelle Zielseite
  • Kontaktoptionen, Standort und Branche sind vollständig
  • angepinnte Beiträge und Highlights sind aktuell
  • Tonalität und Bildsprache passen zu den Markenrichtlinien
  • Impressum ist mit einem Klick erreichbar

Welche Kennzahlen wertest du im Social Media Audit aus?

Werte die Kennzahlen aus, die zum Hauptziel des jeweiligen Kanals passen, und vergleiche sie immer über denselben Zeitraum. Eine Social-Media-Auswertung für ein Recruiting-Profil braucht andere Zahlen als eine für den Vertrieb. Die Tabelle ordnet typische Ziele den passenden Kennzahlen und Datenquellen zu.


ZielKennzahlenDatenquelle
BekanntheitReichweite, Views, Follower-EntwicklungNative Analysen der Plattformen
Interaktion und CommunityInteraktionsrate, Kommentare, geteilte und gespeicherte BeiträgeNative Analysen der Plattformen
Website-TrafficLink-Klicks, Sitzungen aus Social Media, Interaktionen auf der WebsiteNative Analysen, Google Analytics 4
Leads und UmsatzFormular-Leads, Conversions, Kosten pro LeadGoogle Analytics 4, CRM, Werbekonten
RecruitingBewerbungen aus Social Media, Aufrufe der KarriereseiteBewerbermanagement, Google Analytics 4

Die Interaktionsrate ist der Anteil der Interaktionen an der Reichweite oder an der Zahl der Follower. Lege im Audit fest, welche Basis du nutzt, und bleib dabei. Rechnet ein Kanal mit Followern und ein anderer mit Reichweite, vergleichst du unterschiedliche Größen.

Mehr dazu: Social Media KPIs und Kennzahlen richtig auswählen.


Warum sind Vorjahreswerte oft nicht vergleichbar?

Vorjahreswerte sind oft nicht vergleichbar, weil Plattformen ihre Kennzahlen umgestellt haben. Meta hat am 14. November 2024 „Views“ als neue Hauptkennzahl auf Facebook angekündigt, gültig für Reels, Videos, Beiträge und Stories. Bei Fotos, Textbeiträgen und Stories ersetzen Views die Impressionen und zählen wiederholte Ansichten mit. Meta schreibt selbst, dass Views höher ausfallen können als die früheren Impressionen. Reichweite, Reaktionen, Kommentare und geteilte Inhalte bleiben laut Meta unverändert.

Auch Tools sind betroffen. In der Instagram-Schnittstelle hat Meta die Kennzahl „impressions“ laut Entwicklerdokumentation zu Instagram Insights zum 21. April 2025 für alle Versionen abgekündigt. Reporting-Tools, die Daten über diese Schnittstelle abrufen, können seitdem keine Instagram-Impressionen mehr abfragen. Markiere solche Brüche im Tabellenblatt. Über die Umstellung hinweg vergleichst du nur Kennzahlen mit gleicher Definition, etwa Reichweite oder Kommentare.


Was verraten Zielgruppendaten im Audit?

Zielgruppendaten zeigen, ob die Menschen, die dir folgen, zu der Zielgruppe passen, die du erreichen willst. Vergleiche Alter, Standorte und, wo verfügbar, Branchen oder Berufsfelder mit deinen Buyer Personas. Eine Buyer Persona ist eine datenbasierte Beschreibung einer typischen Person aus deiner Zielgruppe. Bei kleinen Konten sind die Daten lückenhaft: Über die Instagram-Schnittstelle liefert Meta demografische Follower-Daten laut Entwicklerdokumentation erst ab 100 Followern.


Wie misst du den Beitrag zu Website und Leads?

Den Beitrag zu Website und Leads misst du mit Kampagnenparametern in allen Links und der Auswertung in Google Analytics 4. Die Google-Analytics-Hilfe zu benutzerdefinierten Kampagnen-URLs verlangt, dass du utm_source, utm_medium und utm_campaign immer angibst. Google empfiehlt einheitliche Kleinschreibung und eindeutige Werte pro Kanal. Prüfe im Audit, ob Links in Bios, Beiträgen und Anzeigen diese Regeln einhalten. Uneinheitliche Parameter verteilen Social-Traffic auf viele Zeilen im Bericht und machen Kanäle unvergleichbar.


Wie führst du einen Content-Audit für Social Media durch?

Für den Content-Audit ordnest du jeden Beitrag des Prüfzeitraums nach Thema, Format, Serie und Ziel ein und vergleichst dann Gruppen statt einzelner Posts. Ein Content-Audit ist die systematische Bewertung aller veröffentlichten Inhalte nach Wirkung und Beitrag zum Ziel. Einzelne Ausreißer verleiten zu falschen Schlüssen, Muster über viele Beiträge sind belastbarer. Diese Spalten brauchst du in deiner Content-Vorlage:


SpalteInhaltBeispielwerte
Datum und KanalVeröffentlichungsdatum und PlattformLinkedIn, Instagram, YouTube
ThemaThemenfeld aus deiner Content-StrategieFachwissen, Karriere, Produkt, Einblicke
FormatDarstellungsformVideo, Karussell, Bild mit Text, Dokument
SerieZugehörigkeit zu einem wiederkehrenden FormatName der Serie oder „keine“
ZielHauptziel des BeitragsBekanntheit, Vertrauen, Anfrage, Bewerbung
KennzahlWert der Kennzahl, die zum Ziel passtViews, Interaktionsrate, Link-Klicks
BewertungEntscheidung nach dem Auditausbauen, überarbeiten, einstellen

Sortiere die Liste nach Thema und Format und vergleiche den Median je Gruppe. Der Median ist der mittlere Wert einer sortierten Reihe und reagiert weniger stark auf einzelne virale Ausreißer als der Durchschnitt. Prüfe im selben Durchgang die Qualität: Haben Videos Untertitel, Bilder Alt-Texte, und sind angepinnte Beiträge noch aktuell? Setzt dein Team KI im Redaktionsprozess ein, gehört die Frage dazu, ob Kennzeichnung und menschliche Freigabe nach euren Regeln funktionieren.


Wie bewertest du Community Management und Prozesse?

Prüfe, wie schnell und wie vollständig dein Team auf Kommentare und Nachrichten reagiert und ob Freigaben und Zuständigkeiten im Alltag funktionieren. Community Management ist die Betreuung der Gespräche mit Followern, Kundschaft und Bewerbenden auf deinen Kanälen. Ziehe für das Audit eine Stichprobe aus dem Prüfzeitraum und zähle offene, verspätete und gut beantwortete Anfragen.

Wie viel Reaktionsgeschwindigkeit zählt, zeigt eine Befragung von Sprout Social unter 2.250 Social-Media-Nutzern aus dem Mai 2026. Darin sagen 84 Prozent der Befragten aus den USA, Großbritannien und Australien, dass die Reaktionsgeschwindigkeit einer Marke ihr Bild einer Krise direkt prägt. Die Befragung bildet nicht den DACH-Raum ab, zeigt aber eine klare Richtung. Mehr zu Reaktionszeiten und Werkzeugen findest du im Beitrag Community Management: Aufgaben, Reaktionszeiten und Tools.


Welche Prozessfragen gehören ins Audit?

Prozesse entscheiden darüber, ob gute Ideen regelmäßig erscheinen oder in Freigabeschleifen hängen bleiben. Kläre diese Fragen mit dem Team und den Personen, die Beiträge freigeben:

  • Gibt es einen Redaktionsplan, der mehrere Wochen im Voraus steht?
  • Wie viele Freigabeschleifen braucht ein Beitrag, und wer gibt final frei?
  • Existieren Social Media Guidelines für Mitarbeitende und ein Ablauf für Krisenfälle?
  • Welche Tools nutzt ihr, und überschneiden sich deren Funktionen?
  • Wie ist der KI-Einsatz geregelt, und wer prüft KI-Entwürfe vor der Veröffentlichung?
  • Wer vertritt die Social-Media-Verantwortlichen bei Urlaub oder Krankheit?

Wie vergleichst du dich im Audit mit Wettbewerbern?

Vergleiche dich mit drei bis fünf Profilen, die um dieselbe Zielgruppe werben, und bewerte Themen, Formate und Resonanz statt Followerzahlen allein. Vergleichsprofile müssen keine direkten Wettbewerber sein. Auch Arbeitgeber in deiner Region oder Fachmedien deiner Branche taugen als Maßstab, wenn sie dieselben Menschen erreichen.

Öffentlich sichtbar sind Postingfrequenz, Formate, Serien, Kommentare und die Art der Antworten. Für Unternehmensseiten bietet LinkedIn eine Wettbewerbsanalyse in den Seiten-Analysen. Rechne bei Vergleichen mit Raten statt mit absoluten Zahlen, weil große Profile sonst automatisch besser aussehen. Share of Voice ist der Anteil deiner Marke an allen Erwähnungen eines Themas im Vergleich zum Wettbewerb und lässt sich mit Social-Listening-Tools messen.

Lege parallel interne Benchmarks an. Ein interner Benchmark ist der Median deiner eigenen Beiträge je Format und Kanal im Prüfzeitraum. Er ist für die Steuerung oft hilfreicher als Branchenwerte, weil Zielgruppe, Thema und Budget identisch sind. Neue Beiträge misst du künftig gegen diesen Wert und erkennst so früh, ob ein Format nachlässt.


Wie prüfst du bezahlte Kampagnen im Social Media Audit?

Im Kampagnen-Audit prüfst du, ob Kampagnenziel, Tracking, Zielgruppe und Creatives zusammenpassen und ob das Budget dort landet, wo messbare Ergebnisse entstehen. Paid Social ist bezahlte Reichweite auf sozialen Plattformen, etwa über den Werbeanzeigenmanager von Meta oder den Campaign Manager von LinkedIn. Creatives sind die Anzeigenmotive aus Bild, Video und Text. Das Modul gehört ins Audit, sobald ein relevanter Teil deines Social-Budgets in Anzeigen fließt.

  • Entspricht das gewählte Kampagnenziel dem Geschäftsziel, etwa Leads statt Klicks?
  • Kommen Conversions vollständig an, und ist die Einwilligung der Nutzer sauber eingebunden?
  • Folgen Kampagnen, Anzeigengruppen und Links einer einheitlichen Benennung?
  • Wie oft sieht dieselbe Person eine Anzeige, und welche Creatives laufen seit Monaten unverändert?
  • Sind Erkenntnisse aus Tests dokumentiert und im nächsten Kampagnenzeitraum genutzt?

Aus unserer Projektpraxis ist das Tracking der Punkt, an dem Kampagnen-Audits am häufigsten Lücken finden. Ohne korrekt übermittelte Conversions optimieren die Werbesysteme auf unvollständige Signale. Wie du die Datenübertragung an die Plattformen und die Einwilligung sauber verbindest, erklärt der Beitrag Conversion-Tracking für Social Ads.


Wie leitest du aus dem Audit eine 90-Tage-Roadmap ab?

Du leitest die Roadmap ab, indem du jeden Befund in eine Maßnahme mit Ziel, Aufwand, Verantwortlichen und Termin übersetzt. Anschließend sortierst du die Maßnahmen nach Wirkung und Aufwand. Quick Wins sind Maßnahmen mit hoher Wirkung bei geringem Aufwand, etwa ein fehlender Impressumslink, und stehen ganz oben. Größere Vorhaben wie ein neues Serienformat folgen dahinter.

Bei Mediatouch folgt das Audit einer festen Abfolge. Nach dem Audit der Kanäle formulieren wir ein Zielbild pro Kanal. Ein Zielbild ist eine kurze Beschreibung, welche Rolle ein Kanal für Zielgruppe und Geschäftsziel spielen soll. Darauf baut die Themenlandkarte auf, eine Übersicht der Themenfelder mit Zuordnung zu Zielgruppen und Formaten. Den Einstieg bildet eine 90-Tage-Roadmap. Danach übernimmt unsere Social Media Betreuung die Redaktion im Wochenrhythmus, mit monatlichem Reporting und Maßnahmenplan für den nächsten Zyklus.


BefundMaßnahmeWirkungAufwand
Profil ohne sichtbaren ImpressumslinkLink in Bio oder Seiteninfos ergänzenhochgering
Admin-Rechte bei ehemaligen MitarbeitendenRechte entziehen, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivierenhochgering
Viele unbeantwortete KommentareReaktionszeiten festlegen, Vertretung regelnhochmittel
Hohe Views, kaum Link-KlicksKlare Handlungsaufforderung, Links mit Kampagnenparameternmittelgering
Inaktives LänderprofilArchivieren oder mit dem Hauptprofil zusammenführenmittelgering
Serie mit stabil hoher ResonanzFesten Rhythmus planen, Format auf weitere Kanäle übertragenhochmittel

Überführe die Maßnahmen in deinen Social Media Redaktionsplan und in das monatliche Reporting. Halte für jede Maßnahme fest, an welcher Kennzahl du den Erfolg misst. Nur so siehst du beim nächsten Audit, welche Maßnahmen gewirkt haben.


Welche Vorlage eignet sich für das Social Media Audit?

Für die meisten Unternehmen reicht eine Tabellenkalkulation mit einem Tabellenblatt pro Prüfbereich. Spezialisierte Audit-Software lohnt sich erst bei vielen Profilen, Marken oder Ländern. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass du alle Kanäle nach denselben Kriterien bewertest. Diese Struktur hat sich in unserer Projektpraxis bewährt:


TabellenblattInhalt
ÜbersichtZiele je Kanal, Prüfzeitraum, Datenquellen, Exportdatum, bekannte Änderungen an Kennzahlen
InventarPlattform, URL, Verantwortliche, Admins, Status der Zwei-Faktor-Authentifizierung, letzter Beitrag
ProfilePrüfpunkte je Kanal mit Ampelbewertung
KennzahlenMonatswerte je Kanal, Vorjahresvergleich, Median je Format
ContentBeitragsliste mit Thema, Format, Serie, Ziel, Kennzahl und Bewertung
Community und ProzesseStichprobe zu Reaktionszeiten, Antworten auf die Prozessfragen
WettbewerbVergleichsprofile mit Themen, Formaten, Frequenz und Resonanz
MaßnahmenBefund, Maßnahme, Wirkung, Aufwand, Verantwortliche, Termin, Erfolgskennzahl

Eine Ampelbewertung ist eine einfache Skala mit Grün für erfüllt, Gelb für verbesserungswürdig und Rot für kritisch. Sie macht Ergebnisse für die Geschäftsführung ohne Rohdaten lesbar. Hinterlege zu jeder gelben oder roten Bewertung einen kurzen Befund, sonst bleibt offen, was zu tun ist.


Fazit

Ein Social Media Audit lohnt sich nur, wenn es mit Entscheidungen endet und nicht mit einem Foliensatz. Die Hebel liegen oft nicht in einzelnen Posts, sondern in klaren Zielen und sauberen Daten. Wer Kennzahl-Brüche dokumentiert und Maßnahmen mit Messgrößen verknüpft, kann das nächste Audit als echten Vergleich lesen. So wird aus einer Bestandsaufnahme ein fester Steuerungsrhythmus für deine Social-Media-Arbeit.


Häufige Fragen zum Social Media Audit


Was ist ein Social Media Audit?

Ein Social Media Audit ist eine strukturierte Prüfung aller Social-Media-Kanäle eines Unternehmens. Es vergleicht Profile, Kennzahlen, Inhalte, Community Management und Prozesse mit den Unternehmenszielen und endet mit einer priorisierten Liste von Maßnahmen. Anders als ein laufendes Reporting stellt das Audit grundsätzliche Fragen, etwa ob ein Kanal überhaupt zur Zielgruppe passt oder ob Freigabeprozesse die Veröffentlichung bremsen.


Wie oft sollte man ein Social Media Audit durchführen?

Aus unserer Projektpraxis empfehlen wir ein umfassendes Audit einmal im Jahr, am besten vor der Budgetplanung. Dazu kommt ein kurzer Check pro Quartal, der Kennzahlen, offene Anfragen und den Stand der Maßnahmen prüft. Ein außerplanmäßiges Audit lohnt sich bei Agentur- oder Personalwechsel, nach einem Rebranding, bei neuen Unternehmenszielen und wenn eine Plattform ihre Kennzahlen umstellt.


Was ist der Unterschied zwischen Social Media Audit und Media-Audit?

Ein Media-Audit prüft den Mediaeinkauf, also Konditionen, Agenturverträge, Rabatte und die Frage, ob eine Agentur Werbebudgets wie vereinbart einsetzt. Ein Social Media Audit prüft die gesamte Präsenz auf sozialen Plattformen mit Profilen, Inhalten, Kennzahlen und Prozessen. Bezahlte Social-Kampagnen kommen in beiden vor. Im Social Media Audit geht es dabei um Ziele, Tracking und Creatives, im Media-Audit um Preise und Transparenz im Einkauf.


Welche Tools brauche ich für ein Social Media Audit?

Für den Einstieg reichen die nativen Analysen der Plattformen, etwa die Insights in der Meta Business Suite und die Seiten-Analysen auf LinkedIn. Dazu kommen Google Analytics 4 und eine Tabellenkalkulation. Social-Media-Management-Tools lohnen sich, wenn du viele Profile oder Marken vergleichst. Social-Listening-Tools ergänzen das Audit um Erwähnungen außerhalb deiner Kanäle. Prüfe bei jedem Tool, ob es die aktuellen Kennzahl-Definitionen der Plattformen übernimmt.


Kann ich ein Social Media Audit selbst durchführen?

Ja, mit einer klaren Checkliste und Zugriff auf alle Kanäle kannst du ein Social Media Audit selbst durchführen. Schwierig wird es bei der Bewertung, weil interne Teams eigene Formate erfahrungsgemäß milder beurteilen als Außenstehende. Hol dir mindestens eine zweite Person zum Gegenlesen, die nicht selbst für die Kanäle verantwortlich ist. Eine Agentur bringt Vergleichswerte aus anderen Projekten und einen neutralen Blick mit.


Was ist ein Content-Audit?

Ein Content-Audit ist die systematische Bewertung aller veröffentlichten Inhalte nach Wirkung und Beitrag zum Ziel. Im Social-Media-Kontext ordnest du jeden Beitrag nach Thema, Format, Serie und Ziel ein und vergleichst Gruppen statt einzelner Posts. Du erkennst daran, welche Themen und Formate tragen und welche du einstellen kannst. Der Content-Audit ist ein Teilschritt des Social Media Audits und lässt sich auch einzeln durchführen.


Autor: Joscha Kukemüller, Geschäftsführer der Mediatouch GmbH
Joscha Kukemüller leitet Mediatouch, die Social Media Agentur aus Hannover, und verantwortet die Umsetzung von Social-Media-Programmen für Industrie- und B2B-Marken. Sein Schwerpunkt liegt auf Content Operations und KI-gestützten Redaktionsworkflows mit klaren Qualitätsregeln.

Transparenzhinweis: Bei Recherche und Entwurf dieses Beitrags kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Aussagen, Beispiele und Quellen wurden anschließend redaktionell geprüft und eingeordnet. Die redaktionelle Verantwortung für den veröffentlichten Text liegt bei der Mediatouch GmbH.

Keine Lust, es selbst zu machen?

Du willst wissen, wo deine Kanäle stehen, hast aber keine Zeit für Exporte und Tabellen? Wir führen dein Social Media Audit durch, leiten ein Zielbild pro Kanal ab und übergeben dir eine 90-Tage-Roadmap, die wir auf Wunsch gemeinsam umsetzen.

Weiterführende Services
Audit, Strategie, Redaktion, Community Management und Reporting bündeln wir in unserer Social Media Betreuung. Wenn das Audit zeigt, dass passende Formate fehlen, produziert unsere Content Creation Serien, Reels und Karussells. Kampagnen mit Tracking-Lücken bringen wir über Paid Ads auf Meta, LinkedIn und TikTok wieder auf Kurs. Wie wir mit Industrie und Mittelstand arbeiten, zeigt die Seite Social Media für Industrie und Mittelstand.

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